Da in meiner Klasse die Schüler*innen familiäre Wurzeln in mehr als zehn verschiedenen Ländern der Welt haben, habe ich mich entschlossen, das Thema des friedlichen Zusammenlebens verschiedener Kulturen während des gesamten Schuljahres aus unterschiedlichen Perspektiven zu behandeln.
Mag. Michael Haberl
Leseprojekt: „Kinderschicksale aus aller Welt“: Eine erste Aufgabe bestand darin, im Rahmen des Deutschunterrichts ein Buch aus der Schulbibliothek zu lesen, in dem die Lebensgeschichten von Kindern und Jugendlichen aus verschiedensten Teilen der Welt erzählt werden. Ich habe darauf Wert gelegt, dass Bücher von allen Kontinenten der Erde dabei sind. Der Inhalt des Buches musste im Rahmen eines Referates dargestellt werden. Zusätzlich sollten passende Informationen zur politischen bzw. sozialen Situation in dem betreffenden Land präsentiert werden. Zur Veranschaulichung haben die Schüler*innen Lapbooks hergestellt, die anschließend der Klasse präsentiert oder im Schulhaus ausgestellt wurden. Diese Lapbooks sind ausklappbare Mappen, in denen die Inhalte und thematisierten Probleme kreativ und übersichtlich dargestellt werden. Darin werden Informationen zum Buch mit kleinen beweglichen Elementen, Klappen, Bildern und Texten gesammelt.
Am 24.11.2025 hatten wir in der Klasse zwei junge Menschen vom Verein „Likrat“ für einen Workshop zum Thema „Wie leben Jüdinnen und Juden?“ zu Gast. Die Schüler*innen hatten die Möglichkeit, Einblicke in das Leben von Jüdinnen und Juden in Wien zu gewinnen. Ausgehend von Anschauungsmaterial konnten in einem lockeren Gespräch viele Fragen geklärt werden: Wie lebt man seinen jüdischen Glauben? Was ist zu beachten? Wie gestaltet sich der Alltag? Sehr einprägsam waren auch die Erzählungen von antisemitischen Beleidigungen im öffentlichen Raum, denen die beiden jungen Menschen auch schon ausgesetzt waren.
Am 10.12.2025 gab es vom Verein „asylkoordination österreich“ im Klassenraum der 3F einen Workshop zum Thema „Stationen der Flucht“. Zufälligerweise war auch eine ehemalige Schülerin unserer Schule mit eigener Fluchterfahrung eine der beiden Vortragenden. Eine Aufgabe für die Schüler*innen bestand darin, aus verschiedenen Gegenständen jene auszusuchen, die bei einer Flucht unbedingt mitzunehmen sind. In einem zweiten Teil wurden auch viele Fachbegriffe, die im Zuge eines Asylverfahrens relevant sind, schülergerecht geklärt und erklärt. Abgerundet wurde der Workshop durch grundlegende Informationen zu Flucht und Migration.
Vom 26.01.2026 bis 30.01.2026 fand eine Projektwoche zum Jahresthema statt. Dabei besuchten wir am Montag einen Workshop zur Sonderausstellung „Schwarze Juden, weiße Juden. Über Hautfarben und Vorurteile“ im jüdischen Museum. Besonders interessant war zu beobachten, welche Ausstellungsobjekte die einzelnen Kleingruppen auswählten und mit der Workshopleiterin besprachen. Anschließend erhielten die Schüler*innen den Auftrag, selbstständig einen Beitrag für den Kulturentag vorzubereiten. Die Schüler*innen mussten sich überlegen, welches Land, welche Region, welche Religion oder welche Kultur sie vorstellen wollen (z. B. Traditionen, Sprache, Feste, Volkstänze, Musik, Kleidung, Speisen, Symbole …). Dann mussten sie sich – sofern möglich – Partner*innen suchen, mit denen sie arbeiten konnten und was sie für ihre Präsentation brauchen würden. Am Donnerstag wurden dann die einzelnen Stände aufgebaut und Schüler*innen anderer Klassen eingeladen, sich alles anzuschauen, anzuhören und landesübliche Spezialitäten zu verkosten. Zu sehen waren Beiträge über verschiedene Länder wie etwa Rumänien, Brasilien, Syrien und auch Österreich. Manche Schüler*innen stellten auch ihre Religion vor. Es gab Präsentationen zum Katholizismus, zur christlichen Orthodoxie, zum Islam und zum Buddhismus. Weiters gab es in dieser Woche auch noch einen kreativen Schwerpunkt: „Briefmarken aus meinem Herzensland“. Die Schüler*innen wählten ein Land, zu dem sie einen besonderen emotionalen Bezug haben und gestalteten überdimensionale Briefmarken mit landestypischen Motiven, die dann in der Schule ausgestellt werden konnten. Dazwischen gab es auch Auflockerndes. Viel Spaß hatten die Schüler*innen bei der Teambuilding-Übung „Scharade - Typisch Österreich“ (Sprichwörter, Redewendungen), die von meiner Kollegin Stefanie Hübner entworfen worden ist. Zum Abschluss wurde am Freitag noch ein Film gezeigt: „Bekas – Das Abenteuer von zwei Superhelden“ (Originaltitel: Bekas) aus dem Jahr 2012. Die Hauptfiguren: Die beiden obdachlosen kurdischen Brüder Zana (7) und Dana (10) leben als Kriegswaisen im Irak der 1990er-Jahre unter dem Regime von Saddam Hussein. Inhalt und Thematik des Films wurden dann im Plenum besprochen.
Am 10.03.2026 waren wir im Theater Akzent bei dem Stück „Reset Your Mind“. Obwohl der inhaltliche Schwerpunkt auf der Gaming-Welt lag, wurden auch die Themen toxische Männlichkeit, Diversität und Frauenbilder eindrücklich dargestellt. Es ergab sich im Anschluss bei dem Publikumsgespräch – vor allem mit dem türkischstämmigen Schauspieler – eine interessante Diskussion mit meinen Schüler*innen.
Im Deutschunterricht haben wir dann noch das Buch „Papa, was ist ein Fremder?“ von Tahar Ben Jelloun gelesen. Hierzu wurden die Schüler*innen in Zweierteams eingeteilt, wobei jeweils lesestärkere Schülerinnen den leseschwächeren Schüler*innen helfen sollten, den von mir ausgearbeiteten Fragenkatalog zum Buch zu bearbeiten. Das führte zu sehr schönen Ergebnissen in einer sonst eher leseunwilligen Klasse.
Die abschließende Veranstaltung zum Jahresthema fand am 15.06.2026 in der Schule statt. Es gab wieder einen Workshop vom Verein „asylkoordination österreich“ mit dem Titel „Afghanische Drachen am österreichischen Himmel“, bei dem Informationen zum Land Afghanistan und zur politischen Situation geliefert wurden. Im Anschluss daran durften die Schüler*innen Drachen basteln, die wir dann im Schulgarten steigen ließen.
Im Folgenden finden Sie eine Auswahl aus dem umfangreichen Fotomaterial zu den einzelnen Arbeitsaufgaben bzw. Veranstaltungen. Aus Platzgründen kann jedoch nur eine Auswahl präsentiert werden.
Leseprojekt: „Kinderschicksale aus aller Welt“ – Lapbooks


Workshop „Stationen der Flucht“


Sonderausstellung „Schwarze Juden, weiße Juden. Über Hautfarben und Vorurteile“ im jüdischen Museum


Tag der Kulturen


„Briefmarken aus meinem Herzensland“


Workshop vom Verein „asylkoordination österreich“ mit dem Titel „Afghanische Drachen am österreichischen Himmel“

