Sozialprojekt der 6C: Kochen in der zweiten Gruft

02.02.2017

Auf die Idee kamen die SchülerInnen, nachdem sie beim Advent-Special selbstgemachte Kekse verkauft und dadurch mehr als € 130 eingenommen hatten. Mit diesem Geld wollten sie etwas Sinnvolles machen. Und so erhielten wir die Möglichkeit für Obdachlose zu kochen.
Zuerst wollten wir uns beim Canisibus engagieren, doch da gab es für das laufende Schuljahr keinen Termin mehr. Bei der Zweiten Gruft (1180, Lacknergasse 98) war schnell ein Termin (2.2.2017) gefunden, und wir sollten alles für ein Erdäpfelgulasch mitbringen. Eine Herausforderung, denn immerhin wird dort täglich für ca. 200 Personen gekocht.
Die Zweite Gruft ist eine Anlaufstelle für nicht anspruchsberechtigte EU-BürgerInnen.
Die Caritas betreibt dort ein Tageszentrum, Mutter-Kind-Zimmer, Notschlafstelle für Frauen und die Möglichkeit für Kurzwohnen (bis zu 3 Monaten).
Es gibt Frühstück, warmes Mittagessen, Dusch – und Waschmöglichkeiten und eine Kleiderausgabe.
Untergebracht ist die Einrichtung in einem Gründerzeithaus, welches der Caritas gehört. Küche und Speisesaal befinden sich im Souterrain, der Speisesaal ist gleichzeitig auch der Aufenthaltsraum während der Öffnungszeiten des Tageszentrums (8– 15 Uhr).
Unsere Schüler/innen (21) haben sich in 2 Gruppen geteilt. Eine Gruppe war in der Küche zuständig für das Mittagessen unter Leitung von Frane, dem sehr herzlichen und umsichtigen Koch, der uns auch sehr viel über den Alltag in der Zweiten Gruft erzählt hat. Die andere Gruppe hat mit Praktikantinnen im oberen Stock Dekorationen gefertigt und neue Schilder für die MuKi-Zimmer gemalt.
In der Küche waren 50 kg Erdäpfel und 12 kg Zwiebel zu schälen und zu schneiden. Auch 10 kg Würstel haben wir verarbeitet. Obwohl die Küche nicht sonderlich groß ist, ist sie mit Mobiliar einer Großküche ausgestattet und schwenkbare Töpfe, die über 50 Liter fassen, haben uns schon sehr beeindruckt. Auch für Kuchen haben unsere Schüler/innen gesorgt und auf großen Tabletts angerichtet.
Neben den Lebensmittel, die wir für das Mittagessen mitgebracht haben, haben die Schüler/innen auch noch einiges (1 Autoladung) an Sachspenden gesammelt. Wir wurden auch von Schüler/innen bzw. Eltern aus anderen Klassen mit Sachspenden (Kleidung, haltbaren Lebensmittel, Geld) unterstützt. Unsere Spenden wurden sehr erfreut angenommen.

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Nachdem wir (wer wollte) zuerst gemeinsam mit den Hausangestellten gegessen haben, halfen einige SchülerInnen bei der Essensausgabe. Die Klienten müssen pünktlich um 12 Uhr da sein und einen Löffel mitnehmen. Das dreigängige Menü wurde vom Koch (mit den SchülerInnen gemeinsam) direkt am Tisch serviert. Vorher hat Frane noch gesagt, dass heute eine Schülergruppe gekocht hat – und es gab Applaus und Danke – Rufe.
Nach der Essensausgabe haben noch alle SchülerInnen an Dekorationen gearbeitet und auch mit 4 kleinen Kindern gemalt, die zurzeit in den MuKi-Zimmern leben.
Wir Lehrerinnen konnten auch mit dem ehemaligen Leiter der Einrichtung reden und er hat uns viel über die Arbeit mit Obdachlosen erzählt. Die meisten Klient/innen kommen aus Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Slowakei, manchmal kommen auch Personen aus anderen Bundesländern. Der Zulauf in die Einrichtung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, die Notschlafstellen und Essensausgabe sind jeden Tag ausgelastet.
Die Einrichtung ist zur Gänze auf Spenden angewiesen und auf Gruppen, die zum Kochen kommen (und dazu die Materialien selbst mitbringen).
Die Zweite Gruft wird von der Wiener Tafel regelmäßig beliefert und bekommt von benachbarten Schulen übriggebliebene Portionen. Nach einem Blick ins Lager ist uns klar, dass diese Unterstützungen sehr notwendig sind, um täglich ca. 200 Mahlzeiten ausgeben zu können.
Der Vormittag in der Zweiten Gruft hat uns eine kleinen Eindruck gegeben, wie es ist, ohne festen Wohnsitz zu sein und gezeigt, dass es gar nicht viel Einsatz braucht, um zumindest für einen Tag etwas verbessern zu können.
SchülerInnen der 6C
Begleitende Lehrerinnen: Karin Moser, Daniela Krenek

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Ein paar Eindrücke der 6C-Schüler/innen:

  • Insgesamt hat die Zeit dort gezeigt, wie sehr sich diese Menschen über unsere Hilfe gefreut haben und wie dankbar sie für alles waren. Zum Beispiel haben sich die Kinder über die Papierflieger und Luftballons sehr gefreut. Aber auch bei der Essensausgabe hat man gemerkt, dass die meisten Menschen sehr freundlich waren. Es hat aber auch sehr beeindruckt, wie gut die Organisation funktioniert und wie gut die dort arbeitenden Menschen mit den anderen Menschen umgehen. [Anna]
  • Die meisten haben sich einfach extrem gefreut und bis über beide Ohren gegrinst, da sie sich einfach keine Schokolade leisten können. Und ganz ehrlich eine Schokolade zu kaufen tut niemandem weh. Mir hat es einfach extrem Spaß gemacht & es hat sich extrem gut angefühlt, Leuten helfen zu können, die nichts haben.[Alina]
  • Das waren alles Mengen die man sich gar nicht vorstellen kann. Ich hab noch nie so viel Gulasch gesehen. Als wir mit dem Kochen fertig waren, durften wir selbst etwas von unserem Gulasch essen. Ich fand es nicht schlecht und vor allem wenn man bedenkt , dass alles in so kurze Zeit gekocht wurde. Nach dem Essen durften wir basteln. Wir haben Schilder für die Familienwohnungen und die Monatswohnungen gemalt. Wir haben auch versucht die Klienten der Gruft miteinzubeziehen. Währenddessen spielten wir auch mit den Kindern, die dort wohnten, was wirklich lustig war. Zudem haben uns dir Kinder sehr gerne und mit viel Motivation geholfen.[Benni]
  • Ich fand es ein sehr schöne Erlebnis, den Menschen zu helfen! Als Dankeschön genügt einem schon, wenn man ein nettes Lächeln entgegen bekommt!
  • Im Bereich wo wir gebastelt haben, waren sogar Mütter mit ihren Kindern dabei, was mich persönlich ziemlich geschockt hat. Die Leute dort konnten nicht viel Deutsch sprechen und die meisten sind wahrscheinlich aus dem eigenen Land ausgezogen. Obwohl sie nicht viel haben, kamen mir die Kinder ziemlich glücklich vor, was mich erleichtert hat. Zu wissen dass diese Kinder mit nicht viel aufwachsen, aber trotzdem glücklich sein können macht mich sehr dankbar für was ich habe. [Jansen]
  • Als wir mit dem Basteln fertig waren und die anderen mit dem Kochen, durften wir das Essen für die Obdachlosen austeilen. Ich habe Kuchen ausgeteilt und habe bemerkt wie sie sich auf das Essen freuen und wollten immer mehr von mir, aber ich durfte nur ein Stück pro Person austeilen. Sie waren so nett und haben auf mich gehört.
  • Aus irgendeinem Grund dachte ich, dass ich mich anders verhalten muss hab aber ganz vergessen, dass das ganz normale Menschen sind, die vielleicht nicht so viel Glück haben wie ich.
  • Was ich am tollsten finde, sind die Menschen die dort arbeiten, um anderen ein besseres Leben zu ermöglichen. Ich finde es einfach großartig, dass sie das für andere machen.
  • Die Vorstellung, dass diese Kinder eigentlich auf der Straße wären, ist furchtbar. Ich finde, dass keiner es verdient hätte auf der Straße zu leben. Vor allem nicht Kinder. [Sara]
  • Wir haben dann Lindt-Kugeln ausgeteilt und waren zuerst bei der indischen Familie. Als ich gesehen hab, wie sich der kleine Junge eine ganze Handvoll von diesen Kügelchen genommen hat und dabei gegrinst hat, hab ich mich unbeschreiblich gefühlt. Diesem Jungen dieses Lachen zu schenken war ein so schönes Gefühl. Überhaupt dort gewesen zu sein war unbeschreiblich. Man weiß was man für die Menschen macht und man bereitet denen eine Freude. Hätten wir einfach das Geld von unseren Keksen gespendet, hätten wir diese Erfahrung gar nicht gemacht. Und durch diese Erfahrung wird einem erst klar, wie gut es uns eigentlich geht.
  • Ich habe etwas Gutes für die Menschen getan. So etwas kann man nicht jeden Tag machen. Was mich begeistert hat, war, dass die Menschen dort so dankbar waren und so nett, so gastfreundlich. Meistens sind wohlhabende Leute eher das Gegenteil. Die Menschen in der Gruft haben das wertgeschätzt. Sie haben wenig, doch im Herzen viel. [Erine]
  • Es war für mich sehr beindruckend zu sehen, wie sie leben, wie sie sich über etwas, für uns ganz selbstverständliches, wie Essen freuen. Wir konnten ihnen etwas geben, worüber sie sich mehr freuen als Geld nämlich Respekt, Freundlichkeit und das Gefühl zu haben, nicht alleine auf dieser großen Welt zu sein. [Steffi]
  • Mir persönlich hat unser karitatives Projekt sehr gefallen. Ich habe die Gruft mit einem sehr interessanten Gefühl verlassen. Einerseits hat es ich mich sehr gefreut, dass ich Menschen, die alles verloren haben, helfen konnte. Anderseits war es auch ziemlich belastend. Unter den KlientInnen gab es Familien mit Kleinkindern, die nicht älter als ein paar Monate waren. Dank unseres Projektes habe ich bemerkt, wie glücklich ich sein sollte, nicht so aufwachsen zu müssen. Der Vormittag bot mir einen Einblick in das Leben von obdachlosen Menschen und war für mich ein sehr bereicherndes Erlebnis. [Peter]

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